schwarz weiß Bild einer alten Schreibmaschine

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Das war schon immer so, und bisher sind wir doch nicht schlecht damit gefahren.

Vor allem in der Politik, und ganz besonders rund um Wahlen, hören und lesen wir den Ausdruck konservativ allenthalben. Aber was ist das eigentlich, konservativ? Was bedeutet es, konservativ zu sein? Was möchte konservative Politik? Hier möchte ich versuchen einen Blick auf das Wort, auf die Bedeutung und auf die Auslegung zu werfen.

Der Duden sagt, konservativ ist ein Adjektiv und steht für „am Hergebrachten festhaltend“, „althergebracht“ und „vorsichtig, zurückhaltend“.

Wikipedia bringt zunächst eine weitere Auswahlseite, denn konservativ wird, je nach Thema und Zusammenhang, verschieden verwendet und gedeutet. In der Medizin etwa, steht konservativ für eine Behandlungsform, meist mit Medikamenten und ohne eine Operation. Allen gemeinsam sind die Grundgedanken des Konservatismus. Aus dem lateinischen stammend möchte conservare etwas konservieren, etwas „erhalten“, „bewahren“ oder auch „etwas in seinem Zusammenhang erhalten“.

Konservengläser in einem Regal in einem Laden. In den Gläsern sind verschiedene eingemachte Früchte zu sehen.

So wie unsere Konserven? Die Bezeichnung der Konserve(ndose) bediente sich diesem Begriff und dem Sinn: Ein Lebensmittel zu bewahren und länger als normal genießbar erhalten zu können. Konservativ scheint also nicht per se etwas schlechtes zu sein, sehen wir beim konkreten Beispiel mal vom Problem des damit entstehenden Müll ab. Die Konserve bei den Lebensmitteln hat in der Tat eine große Verbesserung in der Versorgung mit Lebensmitteln gebracht.

Die Grundgedanken des Konservatismus sind, schreibt Wikipedia, laut Kafka:

  1. der Glaube an das Walten der göttlichen Vorsehung in der Geschichte und die Einsicht in die Unzulänglichkeit der menschlichen Vernunft
  2. die konkrete Anschauung und aus der Geschichte gewonnene Erfahrung im Unterschied zu abstrakter Systematik
  3. die Vielfalt des historisch Gewachsenen in der Gesellschaft im Unterschied zur uniformen Freiheit für alle
  4. Tradition in der Gestalt der unbewussten Weisheit der Ahnen
  5. Autorität mit Rücksicht auf die natürliche Ungleichheit der Menschen im Gegensatz zum egalitären Denken
  6. die Einheit von bürgerlicher Freiheit und Privateigentum

Diese Grundgedanken von damals haben sich im Laufe der Zeit immer wieder angepasst, konkretisiert oder geändert. Im Kern geht es aber nach wie vor darum, eher zurück zu schauen, eher am Bestehenden fest zuhalten. Neue Entwicklungen werden dem Grundgedanken nach eher kritisch gesehen. „Die Vorsehung hat es so eingerichtet, wir haben es immer so gemacht, wir sind nie schlecht damit gefahren, wir sollten es so belassen.“ Diese Haltung mag nicht automatisch schlecht sein. Es besteht aber die große Gefahr, neue Entwicklungen und Fortschritt auszubremsen oder gar zu verhindern. Was bisher aus Ermangelung von Wissen, von besseren Werkzeugen von neuer Technik eben so gemacht wurde wie es gemacht wurde bleibt beim Status Quo, obwohl es besser gemacht werden könnte.

Im Mittelalter war die Bedeutung der Hygiene gänzlich unbekannt. Keiner sah einen Zusammenhang zwischen Seuchen und Krankheiten wie der Cholera auf der einen Seite und der Sauberkeit und Hygiene auf der anderen Seite. Es war eben so. Man wusste es nicht besser. Der Nachttopf wurde einfach auf die Straße geleert, Müll und Schlachtabfälle bleiben ebenso einfach dort liegen wo sie anfielen. Auch später war vielen Ärzten das Händewaschen als ganz einfache aber durchaus lebensrettende Maßnahme nicht bekannt oder wurde gar als Humbug abgetan. Und wer wollte sich schon anmaßen einem hoch gelehrten Arzt zu widersprechen. Man hat es, konservativ, eben immer schon so gemacht, warum sollte man es also anders machen.

Bevor das Penizillin in den 1870er Jahren entdeckt, später erforscht und ab den 1940er Jahren Medikamente produziert wurden, konnte vielen Patienten mit bakteriellen Krankheiten nicht oder nur schlecht geholfen werden. Die Forschung, das Schauen nach vorne, das Ausprobieren und Anwenden von neuem hat schon immer zu Verbesserungen geführt.

Das Gegenteil von konservativ ist progressiv. Progressiv bedeutet, „dem Fortschritt zugewandt“ und ist überzeugt davon, dass man durch neue Entwicklungen einen positiven Fortschritt erreichen kann. Man hinterfragt, man überlegt ob man bestehendes nicht irgendwie noch verbessern kann, man ist mit dem Status Quo, dem erreichten, nicht automatisch und dauerhaft zufrieden. Wenn etwas funktioniert ist das gut, es könnte aber noch verbessert, vereinfacht, verschönert, optimiert werden. Jemand progressivem reicht es nich, auf das erreichte zurück zu schauen, er schaut nach vorne, er hat den inneren Antrieb die Zukunft stets noch besser zu machen.

Konservativismus empfinde ich zusammengefasst also ich per se als schlecht. Bewährtes muß nicht automatisch angezweifelt werden. Konservativ ist aber nicht auf die Zukunft ausgerichtet, sondern schaut zurück. Konservativismus sollte nicht dazu führen, dass Forschung und Verbesserungen ausgebremst werden oder gar das Rad zurück gedreht wird. Zeigt sich, dass man bisher falsch lag, dass sich für ein Produkt oder eine Dienstleistung eine neuere, bessere, nachhaltigere Lösung abzeichnet, dann sollte nicht zögerlich abgewartet werden. Hier wünsche ich mir wieder den progressiven Erfindergeist vergangener Jahrzehnte, Jahrhunderte.

Vor allem aber sollte Konservativismus in der Politik nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Unsere Grundwerte. Das Grundgesetz. Kunst und Kultur. Das kann, soll und darf konservativ betrachtet werden. Diese Errungenschaft sollte geschätzt und gewahrt bleiben. Bei allem anderen, vor allem in Industrie und Technik, wünsche ich mir aber eine zukunftsorientierte, progressive, Politik. In der Natur der Sache liegt sowieso schon, dass Politik in der Regel immer erst hinterher gestalten kann. Im Mittelalter gab es noch keine Flugzeuge und kein Internet, es war noch nicht einmal absehbar, dass so etwas kommen wird. Damit kann also Politik, im Großen gesehen, neue Dinge, neue Technik, neue Trends oft nie vorher schon regeln. Nichts ist aber von heute auf morgen über Nacht da. Aber Dinge werden absehbar. In dem Zusammenhang möchte ich, der Begriffsbestimmung nach, heutzutage keine konservative Partei mehr. Ich möchte nicht, dass im Vordergrund steht, erst einmal alles so zu lassen wie es ist. Das ist auch aus wirtschaftlicher Sicht gefährlich. Andere Länder, andere Firmen fragen nicht, ob sie etwas neues erfinden oder weiterentwickeln sollten. Sie tun es einfach. Sie sind progressiv. Können, wollen, wir uns weiterhin eine konservative Wirtschaft und Politik leisten?

Dampflok und moderner Elektro Zug in einem Bahnhof nebeneinander

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